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Wann verfällt Urlaub? Wann erhalte ich Urlaubsabgeltung?

Das Urlaubsrecht ist eine komplexe Materie. Die häufigsten Fragen sind solche danach, wann Urlaub verfällt und wann man Urlaubsabgeltung erhält. Zwar hat das Bundesurlaubsgesetz einen geringen Umfang. Allein das Gesetz hilft in vielen Fällen aber nicht weiter, weil vielerlei Regelungen in den letzten Jahren durch die Rechtsprechung modifiziert worden sind.

Wieviel Urlaub steht dem Arbeitnehmer zu?

Nach dem Bundesurlaubsgesetz haben Arbeitnehmer einen gesetzlichen Mindesturlaubsanspruch von 24 Werktagen (6-Tage-Woche) bzw. 20 Arbeitstagen (5-Tage-Woche). In Arbeitsverträgen und Tarifverträgen können höhere Urlaubsansprüche geregelt sein. Der volle Jahresurlaub steht Arbeitnehmern zu, hat das Arbeitsverhältnis mehr als 6 Monate angedauert. Vor Erfüllung dieser Wartezeit entsteht nur ein Teilurlaubsanspruch von 1/12 pro vollen Monat des Arbeitsverhältnisses. Sich so ergebende nicht volle Urlaubstage werden zugunsten des Arbeitnehmers aufgerundet, zu seinen Lasten aber nicht abgerundet.

Beispiel 1:

Ein am 01.01. des Jahres eingestellter Arbeitnehmer, der zum 30.04. bereits wieder ausscheidet, hat einen Urlaubsanspruch von 4/12. Eine 5-Tage-Woche unterstellt, würden sich auf Basis von 20 gesetzlichen Urlaubstagen im Jahr 6,67 anteilige Urlaubstage ergeben. Diese werden auf 7 Urlaubstage aufgerundet.

Beispiel 2:

Scheidet derselbe Arbeitnehmer erst zum Ablauf des 31.07. desselben Jahres aus dem Arbeitsverhältnis aus, hat er bereits den gesamten Jahresurlaubsanspruch von 20 Urlaubstagen erworben. Dabei ist sein unterjähriges Ausscheiden unerheblich.


Was bedeutet Urlaubsabgeltung?

Sinn und Zweck des Urlaubsanspruchs ist die Möglichkeit der Erholung. Deshalb kann Urlaub im laufenden Arbeitsverhältnis auch nicht „abgekauft“ werden. Gleichwohl kann der Fall eintreten, dass bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses der noch offene Urlaub nicht in Anspruch genommen werden kann. Das kann bei Krankheit so sein oder aber dann, wenn die Kündigungsfrist kürzer ist als die Anzahl der noch offenen Urlaubstage.

In diesen Fällen können noch offene Urlaubstage nicht mehr in Anspruch genommen werden. Deshalb sieht das Gesetz vor, dass der Arbeitgeber an den Arbeitnehmer den Betrag zahlen muss, den der Arbeitnehmer bei der Inanspruchnahme seines Urlaubs als weitergezahltes Arbeitsentgelt hätte beanspruchen können. Diesen Anspruch nennt man Urlaubsabgeltungsanspruch.

Beispiel 3:

Der seit 01.01. angestellte Arbeitnehmer hat bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses am 30.04. nur 2 Urlaubstage in Anspruch genommen. Da ihm 7 Urlaubstage zustehen (vgl. Bsp. 1 oben), sind noch 5 Urlaubstage offen. Kann er diese bis zum Abschluss des Arbeitsverhältnisses nicht mehr nehmen, muss der Arbeitgeber diese Tage als Urlaubsabgeltung bezahlen. Angenommen der Arbeitnehmer hätte pro Arbeitstag 70,00 € Brutto verdient, so würde die Urlaubsabgeltung 350,00 € Brutto betragen.


Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Thomas Langner: Wann verfällt Urlaub? Wann erhalte ich Urlaubsabgeltung?

Wann verfällt Urlaub?

Nach dem Gesetz gilt der Grundsatz, dass der Urlaub im laufenden Kalenderjahr genommen werden muss und nach dessen Ablauf verfällt. Hiervon gibt es jedoch einige Ausnahmen:

  • Der Urlaub wird dann in das Folgejahr übertragen und verfällt nicht, wenn er aus Gründen nicht genommen werden konnte, die in der Person des Arbeitnehmers liegen (z.B. Krankheit) oder aus dringenden betrieblichen Gründen (z.B. Auftragsspitzen) nicht genommen werden konnte. Er verfällt dann erst zum Ablauf des 31.03. des Folgejahres.
  • Versäumt der Arbeitgeber, den Arbeitnehmer vor Ablauf des Kalenderjahres zur Inanspruchnahme von Urlaub aufzufordern und ihn zugleich zu informieren, dass sein Urlaubsanspruch mit dem Ende des Kalenderjahres verfällt, wird der Urlaub komplett in das Folgejahr übertragen (BAG, Urteil vom 19.02.2019, Az.: 9 AZR 541/15). Er verfällt dann auch nicht zum Ablauf des 31.03. des Folgejahres.
  • Ist ein Arbeitnehmer am Ende des Kalenderjahres erkrankt und dauert die Krankheit auch über den 31.03. des Folgejahres hinaus an, so läuft der Urlaub zunächst weiterhin auf. Er verfällt erst nach Ablauf von 15 Kalendermonaten seit Ablauf des Kalenderjahres, aus dem der Urlaub herrührt.
Beispiel 4:

Der Arbeitnehmer wollte ursprünglich vom 20.12. bis 31.12. seinen Resturlaub in Anspruch nehmen. Aufgrund seiner Erkrankung war das nicht möglich. Der Urlaub wird deshalb auf das Folgejahr übertragen. Würde er jedoch bis zum 31.03. durch den wieder gesundeten Arbeitnehmer nicht in Anspruch genommen, verfällt der Urlaubsanspruch.

Beispiel 5:

Der Arbeitnehmer hat noch Resturlaub, er reicht jedoch keinen Urlaub ein. Der Arbeitgeber versäumt es, den Arbeitgeber hierauf und darauf hinzuweisen, dass der Urlaubsanspruch zum Ablauf des 31.03. des Folgejahres verfällt. In diesem Fall verfällt der Urlaubsanspruch des Arbeitnehmers nicht zum Ablauf des 31.03. des Folgejahres.

Beispiel 6:

Der Arbeitnehmer erkrankt vom 20.12. (Jahr 1) bis zum 30.6. des übernächsten Jahres (Jahr 3). Der Urlaubsanspruch des Arbeitnehmers aus Jahr 1 verfällt mit Ablauf des 31.03. des Jahres 3. Der Urlaubsanspruch des Jahres 2 besteht weiterhin und verfällt erst zum Ablauf des 31.03. im Jahr 4.


Übertragung des Urlaubsanspruchs/Urlaubsabgeltungsanspruchs auf Erben

Verstirbt der Arbeitnehmer während (BAG, Urteil vom 22.01.2019, Az.: 9 AZR 45/19) oder nach Ablauf des Arbeitsverhältnisses, ist der in seiner Person bereits entstandenen Urlaubsabgeltungsanspruch auch Teil der Erbmasse geworden. Der Geldanspruch steht damit den Erben zu, die Ihrerseits aber auf die Einhaltung von Ausschlussfristen im Arbeitsvertrag achten müssen (BAG, Urteil vom 22.01.2019, Az.: 9 AZR 149/17).


(Stand: 07/2020)