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Fragen und Antworten zum Umgangsrecht

Eltern sollten sich darüber im Klaren sein, dass ihr Streit die Kinder stark belastet. Deshalb sollte im Interesse der Kinder nicht die Thematik des Umgangs als eine Art „Waffe“ gegen den anderen eingesetzt werden. Optimal ist es, merkt das Kind auch nach der Trennung, dass die Eltern hinsichtlich seiner Interessen weiterhin an einem Strang ziehen. Als Faustregel dürfte gelten, dass die Eltern ihre eigenen Interessen hinter die Interessen des Kindes stellen sollten. Das ist sicher nicht einfach, aber ganz bestimmt schon deshalb lohnenswert, um die Kinder nicht noch mehr unter der Trennung der Eltern leiden zu lassen.

Wir sind getrennt. Unsere Kinder leben bei meinem Ehepartner. Ich möchte aber einen engen Kontakt zu den Kindern halten und nicht stets den anderen Elternteil fragen müssen. Welche Regelung sieht das Gesetz für einen Umgang mit Kindern vor?

Umgangskontakte können frei miteinander vereinbart werden. Das Gesetz kennt hier keine Regelung. Nur für den Fall, dass eine Einigung überhaupt nicht zustande kommt, kann das Umgangsrecht auch gerichtlich geregelt werden. Der Inhalt solcher Regelungen ist dabei immer abhängig von den Gegebenheiten in jedem Einzelfall (Alter der Kinder; Entfernung der Wohnorte der Eltern; …). Sind keine Besonderheiten zu beachten, sieht eine solche Regelung für Schulkinder meist dergestalt aus, dass ein Umgangsrecht aller 14 Tage übers Wochenende zuzüglich Umgangskontakten an konkreten Feiertagen und eine Ferienregelung enthält. Bei jüngeren Kindern wird das Gericht die Umgangskontakte in kürzeren Abständen, dafür aber jeweils zeitlich kürzer wählen, um einer Entfremdung vom anderen Elternteil vorzubeugen.

Meinem früheren Ehepartner ist ein Umgangsrecht für unser Kind eingeräumt. Er meint, dass ich die Hälfte der ihm entstehenden Umgangskosten zahlen muss. Ich frage mich, ob das richtig ist?

Es ist allein Sache des Umgangsberechtigten, das Kind abzuholen und zurückzubringen. Die hierfür anfallenden Kosten hat er grundsätzlich allein zu tragen. Insbesondere kann der Umgangsberechtigte solche Aufwendungen auch nicht vom Unterhalt abziehen. Würde allerdings ein Umgangsrecht allein durch eine unzumutbare Kostenbelastung unmöglich, weil der Elternteil mit dem Kind fernab verzogen ist, kann sich unter Billigkeitsgesichtspunkten eine Verpflichtung zur Kostenbeteiligung ergeben. Die Beurteilung kann allerdings nicht pauschal, sondern muss in jedem Einzelfall separat erfolgen.

Können auch Großeltern ein Umgangsrecht geltend machen und dieses ggf. gerichtlich durchsetzen?

Intensität und Ausrichtung des Umgangs bestimmen sich stets nach Gesichtspunkten des Kindeswohls. Ist die Bindung des Kindes zu den Großeltern sehr stark gewesen während der Zeit des noch intakten Zusammenlebens der Eltern, so kann auch ein für die Großeltern durchsetzbares Umgangsrecht in Betracht kommen, wenn dies zugleich für die weitere Entwicklung des Kindes förderlich ist. Würde das Kind jedoch durch den Umgang mit den Großeltern in einen Loyalitätskonflikt gebracht, scheidet ein Umgangsrecht der Großeltern aus.

Der andere Elternteil verzieht unser Kind. Ich will den Umgang deshalb verwehren. Ist das ratsam?

Fragen und Antworten zum Umgangsrecht von Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht und Familienrecht Dr. Thomas Langner aus Chemnitz
Der Gesetzgeber hat die Vorstellung entwickelt, dass Kinder grundsätzlich den Kontakt zu beiden Elternteilen haben sollen. Unerheblich hierbei ist grundsätzlich, ob der Erziehungsstil des anderen akzeptiert wird oder nicht. Auch bei einem weiteren Zusammenleben der Eltern wäre der Erziehungsstil beider Elternteile nämlich auch ein anderer gewesen. Würde der Umgang beharrlich grundlos verweigert, kann dies schlimmstenfalls dazu führen, dass ihnen die Erziehungsgeeignetheit abgesprochen wird, was sodann einhergehen kann mit dem Entzug des Sorgerechts. Sind jedoch Gründe vorhanden, die während des Umgangs eine Kindeswohlgefährdung darstellen, so sollte rasch gehandelt werden. Angezeigt wird es dort zunächst sein, das Jugendamt einzuschalten, bevor gerichtliche Hilfe in Anspruch genommen wird.